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Transition: Erfahrungsberichte zur Gebärmutter- und Eierstockentfernung

Autorenbild: Billie Jules Wolf
Billie Jules Wolf
21. Juli
6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 27. Juli

Wichtig: Bitte beachtet, dass dieser Beitrag ein Erfahrungsbericht ist und keine medizinisch fundierten Informationen enthält. Jede Transition ist anders und jeder Körper reagiert anders auf die Operationen. Es kann gut möglich sein, dass meine Erfahrung ein Einzelfall ist oder nur sehr selten vorkommt.


Hormontherapie & Leidensweg

Die Gebärmutter- und Eierstockentfernung war in meiner Transition eine der größten Operationen, die ich vornehmen ließ. Während bei der Mastektomie vor allem Gewebe entfernt wird und keine weiteren körperlichen Folgen bleiben, war es bei der Gebärmutter- und Eierstockentfernung für mich anders.


Nachdem ich die Hormontherapie gestartet habe, ging ich davon aus, dass diese ausreicht, um meine Periode zu unterdrücken und ich wollte alle größeren Eingriffe nach meinem Studium durchführen lassen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass mein Körper scheinbar nicht so auf die Hormontherapie reagiert hat, wie bis dahin angenommen. Meine Gespräche mit den Ärzten zeigten immer wieder, dass ich einer der seltenen Fälle war, der nach wie vor mit seiner Periode gesegnet blieb. In den nächsten Monaten versuchte ich einen Arzt zu finden, der mir helfen konnte, endlich frei von der Periode zu sein, während ich in der Hochschule bereits aufs Männerklo ging und einen männlichen Namen trug. Die Situation war unerträglich für mich und ich entwickelte richtig Angst davor, dass meine Periode kam. Ich kannte so oder so schon Menstruationsbeschwerden, aber bald schon übertrafen diese jegliche Normalität für mich. Inzwischen waren Monate vergangen und ich quälte mich 10 Tage lang am Stück, jeden Monat mit meinen Periodenbeschwerden. Schmerzmittel halfen längst nicht mehr und ich fehlte immer häufiger bei meinem Studium, weil ich schlicht nicht mehr in der Lage war, das Haus zu verlassen. Die Ärzte gaben mir Östrogenblocker in der Hoffnung, dass sie helfen würden. Die Tabletten musste ich aufgrund von Magenproblemen jedoch irgendwann absetzen – geholfen hatten sie ohnehin nicht.


Weiterhin ging ich zu Ärzten und versuchte eine Lösung zu finden, weil die Operation im ersten Moment sehr drastisch für mich klang und ich die Hoffnung hatte, noch ein bisschen länger Zeit zu gewinnen, um mir vollständig klar zu sein, dass ich sie durchführen lassen wollte. Aber die Schmerzen wurden immer schlimmer und ich entschloss mich dazu, ein Beratungsgespräch zu vereinbaren, um herauszufinden, was ich von der Operation erwarten konnte. Ehrlich gesagt hatte ich mir das Gespräch ein bisschen anders vorgestellt und danach fühlte ich mich leer. Die Ärztin erklärte mir, dass wir Eizellen entnehmen konnten, um diese einzufrieren, aber die damalige Gesetzeslage ließ nicht zu, dass eine andere Frau sie später hätte verwenden dürfen. Ich hätte also die Kosten für die Kryokonservierung tragen müssen, bis sich das Gesetz geändert hätte. Zusätzlich wäre es besser, wenn die Eizellen befruchtet eingefroren wären, weil das die Qualität deutlich verbessert. Zu dem Zeitpunkt hatte ich aber keinerlei Aussicht auf irgendeinen Samenspender – zumal ich bis dahin nie eine Beziehung gehabt hatte. Ich sprach dann an, dass ich mir vorstellen konnte, womöglich schwanger zu werden, um die Kinder selbst zu kriegen. Auch wenn es natürlich damals unvorstellbar war, ist es doch so gewesen, dass ich unbedingt Kinder haben wollte. Und wie, wenn nicht auf diesem Weg? Die Ärztin meinte aber, dass ich dann wieder als Frau eingetragen werden würde. Das versetzte mir einen Schlag in die Magengrube, weil es plötzlich so wirkte als gäbe es keinerlei Möglichkeiten – die auch nicht vom deutschen Staat scheinbar gewollt waren – um meine eigenen Kinder zu bekommen. Spätestens nach dieser Nachricht schaltete mein Kopf völlig ab.


Bild wurde mit ChatGPT generiert.
Bild wurde mit ChatGPT generiert.

Nachdem ich zu Hause war, wurde mir klar, dass ich kaum Optionen hatte. Um weiter zu leben und meine Schmerzen loszuwerden, musste ich das Größte opfern, was ich mir wünschte. Ich schob den Gedanken weg, doch spätestens als der nächste Monat mit den Periodenschmerzen kam, rollte ich mich zusammen und starrte die Wand an. Mir wurde klar, dass ich ein Termin machen musste, nicht weil ich überzeugt war, sondern weil ich aufhörte zu existieren. Ich ging nicht mehr raus und die medizinischen Untersuchungen bei den Ärzten machten mich mental fertig. Jedesmal musste ich mich ausziehen, auf den gynäkologischen Stuhl und still halten. Zumal ich bis dahin noch nie eine Beziehung hatte. Bei einer Untersuchung hatte ich den Arzt darauf hingewiesen und er meinte, dass es kein Problem darstellte und alles was im Weg sein würde, würde er entfernen. Die Untersuchung war nötig, um zu wissen, ob ich organische Ursachen für diese heftigen Schmerzen habe. Ich habe es zugelassen, aber gleichermaßen wurde mir eine Erfahrung klinisch genommen, die ich nie wieder bekomme. Bis zuletzt zweifelte ich an dieser Operation, habe aber versucht daran festzuhalten, weil ich nicht weiter wusste und die Ärzte alle mir empfahlen die Operation zu machen. Selbst als ich in die Narkose kam, waren meine letzten Gedanken dabei, dass ich nie eigene Kinder haben würde. Ich hatte das Gefühl aufspringen zu wollen, aber ausgerechnet an diesem Tag, hatte ich bereits wieder meine Periodenschmerzen bekommen. Ich spürte also die starken Schmerzen und wünschte mir einfach nur, dass diese Qual endlich aufhörte, während mein Bauchgefühl nicht gut war.




Nach der Operation

Bild wurde mit ChatGPT generiert.
Bild wurde mit ChatGPT generiert.

Nach der Operation wachte ich auf und es ging mir schlecht. Ich schwitzte, ich war benommen, der Schwindel hielt Stunden an. Es dauerte einige Zeit bis es mir besser ging, während ich zwischen Wachsein und Schlaf hin- und hersprang. Irgendwann war ich etwas klarer im Kopf und ich spürte das Ausmaß meiner Entscheidung. Am späten Abend brach es aus mir heraus. Ich zog mich auf den Gang zurück und weinte. Ich zog meine Kapuze über das Gesicht und hoffte einfach nur, dass der Schmerz, der sich in meiner Brust aufstaute, aufhörte. Ich weinte und dachte daran, dass ich gerade mein eigenes Leben damit beendet hatte, während Ärzte und Schwestern an mir vorbeigingen. Keiner fragte, was los war, ich war damit alleine.


Im Operationsbericht wurde später festgestellt, dass auf beiden Eierstöcken multiple Zysten vorhanden waren. Ich erinnere mich ehrlich gesagt nicht mehr daran, wer mir die Bedeutung dessen erklärte. Aber es fühlte sich zusätzlich wie ein schlechter Scherz an, denn plötzlich gab es eine nachvollziehbare Ursache für meine Unterleibsschmerzen. Die Ärztin erklärte damals, dass die Zysten nicht sichtbar waren, weil die Eierstöcke durch die Hormonbehandlung so klein waren, dass sie im Ultraschall nicht zu erkennen waren. Eine organische Ursache als Diagnose zu haben, empfinde ich heute noch als schlimmer. Denn wäre ich während der Operation wach gewesen und hätte man mir sagen können, wie man die Zysten behandeln könnte, um mein Leid zu lindern, weiß ich nicht, ob ich die Operation tatsächlich hätte durchführen lassen.


12 Jahre später sitze ich noch immer da und weine über diesen Tag. Ich denke an die Kinder, die ich hätte haben können und das Gefühl schwanger zu werden. Ich habe die Operation nie wirklich verkraftet. Eine Zeit lang konnte ich ignorieren, dass es wehtat. Sehr lange. Bis meine Freundin schwanger wurde und ich miterlebte, was für eine beeindruckende Arbeit ihr Körper leistete. Zusätzlich hatte die Operation einen Stein von den Schultern genommen, mir aber zwei oder drei neue aufgeladen. Damals sagte man mir, dass die Hormontherapie besser laufen würde und ich keine Spritzen bräuchte, sondern mit dem Testo-Gel zurechtkommen würde. Aber das traf nicht ein. Ich musste auf die Testo-Spritzen irgendwann umsteigen, weil ich seit der Operation an Wechseljahresbeschwerden litt. Sie sind nie weggegangen und selbst als ich die Hormone wieder auf Östrogen umstellte, blieben diese Beschwerden bestehen.


Heute leide ich seit 12 Jahren an Wechseljahresbeschwerden, seit ich 22 Jahre alt bin. Dazu gesellte sich innerhalb kürzester Zeit eine Schleimhautatrophie im Intimbereich, die durch eine mangelhafte Östrogenversorgung entstand. Man vermutet, dass die Wechseljahre auch meine Augenschleimhäute stark ausgetrocknet und meine aktuelle Augenerkrankung begünstigt haben. Die Schleimhautatrophie ist im Übrigen eine normale Nebenwirkung, die man bekommen kann. Die Hormon- und Frauenärzte wussten das damals nicht, deswegen ging ich die Hälfte meines Erwachsenenlebens mit starken Schmerzen im intimen Bereich umher. Außerdem habe ich noch immer Unterleibsschmerzen und an manchen Tagen verkrampft sich meine Beckenbodenmuskulatur deswegen. Das ist wirklich unangenehm. Die Schleimhautatrophie hätte man verhindern können, wenn mir die Ärzte eine Östrogensalbe verschrieben hätten. Die geht nicht ins Blut über und hält das Gewebe stabil. In meiner Detransition habe ich zum ersten Mal Hilfe gefunden und ich habe eine Östrogensalbe bekommen, während ich davor mehreren Fehldiagnosen hinterher gelaufen war.

Ich weiß, dass es erleichternd war nicht mehr meine Periode zu haben und ich hatte damals wirklich gehofft, Freiheit zu spüren. Aber heute bereue ich die Operation. Ich bin an Hormone gebunden, muss weiterhin versuchen die Nebenwirkungen der Wechseljahre anzugehen und in meiner Detransition fällt auf, dass die Ärzte keinen Plan haben, wie sie mich am besten hormonell nach so langer Zeit behandeln.

Versteht mich bitte nicht falsch. Das hier ist ein Erfahrungsbericht und viele Transmänner sind erleichtert diese Operation zu machen und reden darüber, wie befreiend es ist. Ich möchte niemandem die Hoffnung nehmen oder Angst machen. Trotzdem sollte man auch von den dunklen Seiten dieser Operationen lesen. Nicht, um abzuschrecken, sondern, um bewusster den nächsten Schritt zu gehen.

 

 
 
 

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